Microsoft Internet Explorer (IE)

Microsoft hatte zunächst den ”Internet-Zug” verschlafen. So herrschte zunächst auch unter MS Windows der Netscape Navigator als Browser vor. In Deutschland wurde dann mit großem Aufwand der MS Internet Explorer v.2 ausgeliefert (z.B. über Vobis/Metronet). Dieser enthielt noch keinen Mail- und News-Client. Beide konnte man dann mit einigem Hacken nachrüsten. Erst mit der Version 3 kamen Internet Mail und Internet News ”offiziell” hinzu und ließen sich von der Menüleiste aus anklicken. Die vorhandenen Sicherheitslücken zwangen MS zu den Updates 3.01 (z.B. noch im Office 97-Paket) und 3.02.

Windows 98 und das Service-Pack Nr. 3 für WINDOWS NT 4.0 kommen mit der Version 4.x des Internet-Explorers daher. Internet Mail und Internet News wurden abgelöst durch MS Outlook Express. Dieses Produkt vereinigt ebenso wie der Communicator 4.5 von Netscape Mail- und News-Client.

Seit Windows 95 kennen die MS-Anwender die sogenannten Assistenten. Diese sollen Fehlinstallationen weitgehend verhindern.

Inkompatibilitäten

Bis zur Version 3 gab/gibt es den IE auch als 16-Bit-Variante. Unter WinOS/2 läßt sich die aber nicht zum Laufen bringen, weil Microsoft das Application Interface (API) gegenüber der von IBM lizenzierten Windows-Version geändert hat. Beide Versionen (16- und 32-Bit) gab/gibt es auch im ”Bundle” mit der Internet-Software von T-ONLINE (Btx-Dekoder der Firma Drews, Heidelberg).

Unter Windows 95 war es nicht möglich, den IE3.xx parallel zum Navigator/Communicator von Netscape zu betreiben. Beide verwendeten nämlich eine gleichnamige DLL mit ganz unterschiedlichem Inhalt!

Erst seit W98 und IE 4.xx tritt diese Inkompatibilität nicht mehr auf. Im Gegensatz zu den Netscape-Produkten ließ sich der IE schon vor der Version 4.0 im Grunde nur ganz oder teilweise abschalten, keineswegs aber deinstallieren.

Viele Probleme waren/sind auch darauf zurückzuführen, daß die mit der T-ONLINE-Software ausgelieferten Browser-Versionen fest auf den Online-Dienst (”Global Player) T-ONLINE als Provider eingestellt sind. Auch StarOffice wird mit Browsern ausgeliefert, die von Star-Division lizenziert sind. Man tut deshalb gut daran, die ”reinen” Browser zu installieren.

Developer Preview des Internet Explorer 5.0 (c´t 13/98, S. 34)

Interessante Neuigkeiten bietet die erste Betaversion des Internet Explorer nur auf den zweiten Blick. Bei genauerem Hinsehen gibt sie allerdings schon jetzt einen Eindruck davon, wie sich Microsoft die Zukunft seines Browsers und seines Auftritts als Content Provider vorstellt.

Für Mitglieder seines Sitebuilder Networks [l] hat Microsoft eine erste Betaversion des Internet Explorer 5.0 für Windows 95 und NT 4.0 zum Download bereitgestellt [2]. Bis Redaktionsschluß war nur eine englische Version verfügbar. Jeder Interessierte kann Mitglied der Sitebuilder-Community werden. Aus Endanwendersicht bringt die Preview-Version allerdings nur wenige kleinere Neuerungen: Sie erlaubt es, Webseiten komplett abzuspeichern, inklusive aller enthaltenen Dateien. Die überarbeitete Favoritenverwaltung im- und exportiert nun auch Navigator-Bookmarks. Die wichtigste Neuerung zeigt sich bei der Installation: Der Anwender hat die volle Kontrolle darüber, welche Anwendungen und Viewer-Erweiterungen der Internet-ExplorerSuite installiert werden (und damit heruntergeladen werden müssen). Selbst die Java Virtual Machine steht zur Disposition. Viele der Neuerungen werkeln im Hintergrund. Ein Anwender bemerkt sie höchstens indirekt, weil etwa eine Seite schneller lädt. Dazu gehört die 'table-layout:fixed'-Eigenschaft aus CSS2 [3]. Mit ihr darf ein Webdesigner das Format einer Tabelle festlegen, die ein Browser dann schon rendern kann, bevor ihre Inhalte komplett übertragen wurden. Überhaupt hat Microsoft die Style-Sheet-, (Dynamic) HTML und XML-Funktionen des Internet Explorer stark erweitert. So lassen sich über DHTML Stilinformationen beliebiger Elemente abfragen; DHTML Behaviours erlauben es, Dynamic HTML-Komponenten zu cachen, was wiederum das Abrufen von Seiten beschleunigt. Auch für die extensible Markup Language (XML), die in anspruchsvollen Anwendungen HTML verdrängen soll, ist der Browser gerüstet: XML-Dokumente können in eine HTML-Seite eingebettet werden. Last, not least fallen zwei festverdrahtete Websites auf. Als Standard-Homepage lädt der Browser die Microsoft-Internet-Start-Site [4], eine personalisierbare 'Portal Site' im Stile von My Yahoo oder der Netcent-Homepage. Von dort beziehungsweise über einen Menüeintrag von Outlook Express kommt man zu dem WWW-Email-Dienst Hotmail, den Microsoft Anfang des Jahres gekauft hat. Nach diversen mehr oder weniger erfolglosen Versuchen als Content Provider orientiert sich Microsoft jetzt offenbar am Beispiel Netscape, um Besucher auf seine Sites zu ziehen.

Fazit

Otto Normalsurfer verpaßt wenig, wenn er IE 5.0 Developer Preview nicht installiert: An der Benutzeroberfläche in bezug auf die Verknüpfung des Browsers mit dem Betriebssystem hat sich fast nichts getan. Microsoft will sich angeblich mit der endgültigen Version sowieso noch ein Jahr Zeit lassen, wie PC Week Online einen Microsoft-Manager zitiert. Die wenigen Beispiele, die die neuen Funktionen des Browsers illustrieren, sind höchstens für Entwickler interessant.

Literatur

[1] http://www.eu.microsoft.com/sitebuilder

[2] http://www.eu.microsoft.com/sitebuilder/ie/iensbn.htm

[3] http://www.w3.org/TR/REC-CSS2/

[4] http://home.microsoft.com

[5] http://www.zdnet.com/pcweek/news/0608/11eie5.html

 

Die Anwender sollten sich genau überlegen. welche Version der Browser sie wirklich benötigen. Der Internet Explorer erlaubt drei Installationsoptionen: 'Nur Browser', 'Browser und Outlook Express' sowie 'vollständige Installation'. Wer noch keinen EMail-Client installiert hat, findet mit Outlook Express ein Program, das kaum Wünsche offen läßt. Die vollständige Installation enthält aber sehr viel Beiwerk, auf das zumindest ein Einsteiger zunächst gut verzichten kann. Der Active Desktop, über den sich die Windows-Benutzerfläche wie das Browser-Interface bedienen läßt und der WWW-Elemente wie Nachrichtenticker aufnimmt, läßt sich nur mit der zweiten und dritten Variante installieren. Vor dem 'aktiven Desktop' sei allerdings gewarnt: Diese Systemerweiterung ist - je nach Konfiguration - ein echter Ressourcenfresser. (c´t 12/98)

 

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