Aus: Fellbacher Zeitung v. 01.04.1967

DER FZ-REPORT

Ein Kräfte-Reservoir der Fellbacher Wirtschaft

Ein Gespräch mit dem Leiter der Kaufmännischen Berufs- und Handelsschule

Vor fünf Jahren, am 2. Mai 1962, wurde die Kaufmännische Berufsschule in Fellbach gegründet. Sie wird derzeit von etwa zweihundert jungen Menschen besucht, die in Fellbach, Schmiden und Oeffingen eine kaufmännische Lehre absolvieren, sei es als Kontoristin, Industriekaufmann oder Verkäuferin. Für diese Lehrberufe besteht eine dreijährige Berufsschulpflicht, ehe die Ausbildung mit der Lossprechung durch die Industrie- und Handelskammer endet. Im Jahre 1964 wurde der Berufsschule eine Kaufmännische Berufsfachschule angegliedert, die weitgehend unter der Bezeichnung Handelsschule bekannt ist und künftig Wirtschaftsschule heißen wird. Ihr Besuch ist freiwillig und steht allen Jungen und Mädchen offen, die neun Klassen an der Volks­schule. Realschule oder am Gymnasium hinter sich haben. Vor allem für begabte Hauptschüler eröffnet die Handelsschule weitere Bildungsmöglichkeiten, schließt der zweijährige Schulbesuch doch mit der sogenannten Fachschulreife ab. Im Zusammen­hang mit der 1968 geplanten Einrichtung einer Wirtschaftsoberschule in Waiblingen, deren Besuch den Absolventen der Handelsschule offensteht, entstand in Teilen der Bevölkerung Unsicherheit, ob diese Schule Fellbach auch weiterhin erhalten bleibt und welche Rolle ihr künftig zukommt. Diese Fragen zu klären, diente ein Gespräch, das die “Fellbacher Zeitung" mit dem Leiter der Kaufmännischen Berufs- und Be­rufsfachschule, Studienrat Rainer Fischer, dieser Tage führte.


FZ: Herr Studienrat Fischer, in wenigen Tagen jährt sich zum fünften Mal der Tag, an dem die Kaufmännische Berufs- und Be­rufsfachschule in Fellbach gegründet wurde, Welche Bilanz dieser fünf Jahre ziehen Sie als Schulleiter?

Studienrat Fischer: Am 2. Mai 1962 wurde zunächst die Kaufmännische Berufsschule Fellbach gegründet. Sie bezog die Räume der bis dahin bestehenden Gewerblichen Berufs­schule im Feuerwehrgerätehaus am Cannstatter Platz. Die Kaufmännische Berufs­fachschule, bisher Handelsschule in Zukunft Wirtschaftsschule, wurde 1964 gegründet. Doch stimmt, was Sie sagen, insoweit, als schon zu Beginn der Einrichtung des kauf­männischen Schulwesens in Fellbach der Plan zu dessen Ausbau feststand. Auch ich bin nicht zuletzt aufgrund einer Zeitungs­notiz über eine Gemeinderatssitzung nach Fellbach gekommen. Sie besagte, daß Fell­bach nach Einrichtung der Kaufmännischen Berufsschule eine Handelsschule und dann später eine Höhere Handelsschule und wo­möglich gar eine Wirtschaftsoberschule auf­zubauen plane. Das reizte mich und das reizt mich immer noch. Allerdings haben sich die Verhältnisse im kaufmännischen Schulwesen wie im beruflichen Schulwesen und im all­gemeinen Schulwesen überhaupt von 1962 bis heute sehr geändert. So wird beispiels­weise nicht damit zu rechnen sein, daß die Wirtschaftsoberschule hier in Fellbach ge­gründet wird. Soviel steht fest, daß sie mit dem Beginn des übernächsten Schuljahres in Waiblingen ihre Pforten öffnet.


FZ: Sie hätten gerne die Wirtschaftsober­schule in Fellbach gesehen?


Studienrat Fischer: An einer Wirtschafts­oberschule zu unterrichten, macht natürlich für einen Wirtschaftswissenschaftler beson­ders Spaß. Ich selbst bin in erster Linie aber Philologe und würde gern Sprachen und Wirtschaftswissenschaften unterrichten. Das kann ich viel eher an einer Handels-, oder wie es jetzt heißt, Wirtschaftsschule, die or­ganisch verbunden ist mit einer Kaufmänni­schen Berufsschule. Ich habe also, um die Bi­lanz dieser fünf Jahre zu ziehen, den Ein­druck, daß die Entwicklung, die Fellbach ein­geschlagen hat, eine gute Entwicklung ge­wesen ist, der aber jetzt noch eine Zeit der Konsolidierung folgen muß.


FZ: Wie war die Entwicklung der Schülerzahlen in den letzten fünf Jahren?


Studienrat Fischer: Die Zahl der Berufs­schüler bewegt sich etwa gleichbleibend um 200 Schüler und Schülerinnen, die in acht Klassen unterrichtet werden. Die Zahl der Berufsfachschüler war abhängig von der Zahl der Klassen, die die Schulaufsichtsbe­hörde genehmigt hat. Es wurde zunächst nur eine Klasse genehmigt, weil nicht abzusehen war, wie groß der Zustrom an die Berufs­fachschule sein würde, wenn das neunte Volksschuljahr nicht mehr an der Berufs­fachschule absolviert werden kann. Nach­dem nun Klarheit geschaffen worden ist, daß die Berufsfachschule erst auf dem neunten Volksschuljahr aufbaut, ist zu erwarten, daß in einigen Jahren auch "zu unseren je zwei Parallelklassen mit insgesamt 132 Schüler - am Anfang bestand nur eine Klasse mit 39 Schülern - eine dritte Klasse hinzukom­men wird.


Handelsschule - Chance für Volksschüler

FZ: Sie sprechen von Berufsfachschule. Im allgemeinen Sprachgebrauch sagt man ja Handelsschule, und später wird diese Schule Wirtschaftsschule heißen. In diese kommen nun vorwiegend begabte Hauptschüler nach der neunten Klasse.


Studienrat Fischer: Es kommen nicht nur begabte Hauptschüler, Hauptschüler des so­genannten A-Kurses, der aber heute noch nicht an allen neunten Klassen eingerichtet ist, sondern natürlich auch solche Schüler von Realschulen und Gymnasien zu uns, die ebenfalls die fünfjährige Pflicht zum Be­such einer auf der Grundschule aufbauen­den Schule hinter sich haben. Das werden aber in Zukunft weniger sein als bisher, so daß wir in der Regel auf die Schüler der Hauptschule angewiesen sind. Wir wünschen uns, daß die Zahl der begabten Hauptschü­ler steigt. Es gibt heute, das stellen wir im­mer wieder fest, genügend Begabungsreser­ven, unter den Hauptschülern aus Fellbach, Waiblingen und vor allen Dingen aus den kleineren Gemeinden im Kreise.


FZ: Mußten Sie bisher Bewerber für die Handelsschule abweisen?


Studienrat Fischer: Bisher gab es eine Aufnahmeprüfung für alle Bewerber, die nach der achten Klasse Volksschule oder der vierten Klasse einer Realschule oder eines Gymnasiums die Kaufmännische Berufsfach­schule besuchen wollten. Bei diesen Aufnah­meprüfungen hat es immer nur wenige Schü­ler mit nicht ausreichenden Leistungen ge­geben. Wir haben aber bisher niemanden in Fellbach aus Platzmangel abweisen müssen, mußten allerdings dabei in Kauf nehmen daß wir bis heute noch sehr große Klassen zu unterrichten haben.


Gute Aufstiegsmöglichkeiten

FZ: Herr Fischer, wenn man davon aus­geht, daß viele Oberschüler ihr Ziel, näm­lich das Abitur, nicht erreichen und viel­leicht an anderen weiterführenden Schulen besser untergebracht wären etwa an der Wirtschaftsschule oder Handelsschule, dann muß man doch damit rechnen, daß künftig wenn die Eltern darüber aufgeklärt werden mehr Schüler an die Wirtschaftsschule ge­hen werden?

Studienrat Fischer: Das hoffen wir alle. Es wäre zu begrüßen, wenn - wie hier in Fell­bach - überall schon die Eltern der Viertkläßler der Volksschulen auf diesen Bil­dungsweg aufmerksam gemacht würden.


FZ: Welche Möglichkeiten bieten sich nun einem Absolventen der Berufsfachschule oder Wirtschaftsschule?


Studienrat Fischer: Es bieten sich sehr viele Möglichkeiten, doch sind bis heute noch nicht alle in genügendem Maße genützt. Eine Umfrage der Berufspädagogischen Hochschule Stuttgart soll hierüber statisti­sches Material liefern. Im Augenblick wären folgende Möglichkeiten zu nennen: Ein be­gabter Berufsfachschüler konnte schon bis­her und kann in noch stärkerem Maße durch seine gründlichere Vorbildung an der Wirt­schaftsschule in Zukunft die Höhere Wirt­schaftsfachschule besuchen, wie sie in Pforz­heim besteht. Doch ist der Andrang zu dieser Schule so groß, daß man sich in der Regel einige Jahre vorher dort schon anmelden muß. Für die Mädels, die ja über 50 Prozent unserer Schüler ausmachen, kommt, wieder­um natürlich nur für begabte, ein staatliches hauswirtschaftliches Seminar in Frage, bei­spielsweise in Nürtingen, an dem die zur so­genannten HHT-Lehrerin, Lehrerin für Hauswirtschaft, Handarbeit und Turnen, ausgebildet werden können. Jedem Abgän­ger der Wirtschaftsschule steht es frei, an einem Aufbauzug eines Gymnasiums über­zuwechseln, um beispielsweise Volksschul­lehrer zu werden.


FZ: Die naheliegende Möglichkeit ist aber das Überwechseln an die Wirtschaftsober­schule.


Studienrat Fischer: Sehr richtig. Auch da gibt es die Möglichkeit, den A-Zug oder den B-Zug, d. h. den Zug mit voller Hochschul­reife oder den mit fachgebundener Hoch­schulreife zu wählen. So ist die Wirtschafts­schule ein idealer Unterbau der Wirtschafts­oberschule.


FZ: Und umgekehrt: Die Wirtschaftsober­schule die ideale Ergänzung zur Wirtschafts­schule.


Studienrat Fischer: Jawohl. Als letzte Möglichkeit, die vor allen Dingen von den Jungen unter den Wirtschaftsschülern ge­nutzt wird, bietet sich die Beamtenlaufbahn des gehobenen nichttechnischen Verwal­tungsdienstes an.


FZ: Im Kreis Waiblingen existieren nur an zwei Orten Wirtschaftsschulen, in Schorndorf und in Fellbach. Hätte es da nicht nahe­gelegen, die Wirtschaftsoberschule, die ab Herbst 1968 in Waiblingen eröffnet wird, in Fellbach einzurichten?

Studienrat Fischer: Dieser Plan ist ja schon einmal ins Auge gefaßt worden und wurde fallen gelassen, vor allen Dingen des­halb, weil die nächste Wirtschaftsoberschule n Stuttgart, in der Sickstraße, beinahe in Sichtweite liegt. Es handelt sich dort um eine voll ausgebaute Anstalt. Mir scheint aber auch, daß Waiblingen nicht so weit von Fell­bach entfernt ist und nicht so weit von Schorndorf. daß man allen Abgängern von Wirtschaftsschulen aus dem Osten und We­sten des Kreises den Weg nach Waiblingen in eine Wirtschaftsoberschule, die vom Kreis getragen wird, zumuten kann. Es würde auch die Möglichkeit bestehen, daß Lehrer, die in Fellbach an der Wirtschaftsschule tätig sind, gleichzeitig in Waiblingen an der Wirt­schaftsoberschule eingesetzt werden.


Behält Fellbach die Wirtschaftsschule?

FZ: Wenn die Wirtschaftsoberschule nun nicht in Fellbach errichtet wird, andererseits aber die Wirtschaftsschule der ideale Unter­bau für die Wirtschaftsoberschule ist, wäre es da nicht zweckmäßiger, die Wirtschafts­schule von Fellbach in ein sich bildendes kaufmännisches Berufsschulzentrum nach Waiblingen zu verlegen?


Studienrat Fischer: Dieser Schluß liegt nahe, und es gibt auch Planungen, in dieser Richtung zu verfahren. Nun ist es aber doch längst nicht so, daß alle Absolventen der Wirtschaftsschulen die Wirtschaftsoberschule besuchen. Die Abgänger der Wirtschafts­schule werden in den Betrieben gebraucht. Zunächst als Arbeits-, später auch als mitt­lere Führungskräfte. Und da steht nun eines fest: Fellbach ist der wirtschaftliche Mittel­punkt des Kreises Waiblingen. Es hat bei weitem die stärkste Industrie, das höchste Gewebesteueraufkommen, den größten Be­darf an gewerblichen und kaufmännischen Fachkräften. Das ist uns an der Schule von vielen Seiten bestätigt worden, ganz beson­ders von seiten des Fellbacher Handels- und Gewerbevereins sowie der Industriegruppe Fellbach. Ich weiß, daß diese beiden Organi­sationen großen Wert darauf legen, daß Be­rufsschule und Berufsfachschule, bzw. Wirt­schaftsschule Fellbach erhalten bleiben. Die Abgänger der Wirtschaftsoberschule, die ja meist ein Studium anstreben, sind für den personellen Nachwuchs in Fellbacher Betrie­ben nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Diese Argumente scheinen mir wichtiger zu sein, als die Tatsache, daß die Wirtschafts­schule eine Art Unterstufe der Wirtschafts­oberschule ist, und beide schulorganisato­risch gewiß zusammengehören.


FZ: Sie glauben also, daß die Kaufmän­nische Berufs- und Berufsfachschule in Fell­bach bestehen bleiben wird.


Studienrat Fischer: Es ist mir sowohl vom Oberschulamt als auch von Herrn Oberbür­germeister Dr. Palm und Herrn Stadtkäm­merer Bosch zugesichert worden, daß an dem Bestand der kaufmännischen Schulen in Fellbach nicht gerüttelt werden soll.


FZ: Auch nicht, wenn eines Tages die Frage eines Schulhausneubaues für Ihre Schule auf die Stadt Fellbach zukommt?


Studienrat Fischer: Natürlich leiden wir nicht gerade an einem Raumüberschuß, aber ich habe mit gutem Gewissen sagen können, daß wenn uns das Gebäude am Cannstatter Platz und das Haus in der Theodor-Heuss-Straße auf absehbare Zeit weiterhin zur Verfügung stehen, wir mit Hilfe von Schichtunterricht über die nächsten Jahre gut hin­wegkommen werden. Vor allen Dingen wün­schen sich aber die Damen und Herren des Kollegiums der Kaufmännischen Berufsschule und Wirtschaftsschule Fellbach, das mit nebenberuflichen Lehrkräften mittler­weile zehn Personen umfaßt, daß die ihnen lieb gewordene Stätte ihres Wirkens so er­halten bleibt, wie sie im Augenblick ist oder gar noch ausgebaut wird, wie wir es mit der: Berufsaufbauschule planen.

Ein neuer Bildungsweg

FZ: Was versteht man unter Berufsauf­bauschule? Welchem Zwecke dient sie?


Studienrat Fischer: Die Berufsaufbau­schule ist eine Institution des zweiten Bil­dungsweges. Sie führt Hauptschüler, die nach Verlassen der Volksschule eine kaufmän­nische Lehre absolviert oder sich eine ge­wisse Zeit in der Praxis bewährt haben, in einem Jahr zur Fachschulreife. Mit diesem Zeugnis bieten sich dann dieselben Möglich­keiten der Weiterbildung wie für die Absol­venten der Wirtschaftsschule. Diese Berufsaufbauschule wird die einzige Anstalt dieser Art im Kreis Waiblingen sein. Bisher beste­hen derartige Einrichtungen nur in Stutt­gart und Schwäbisch Gmünd.


FZ: Wann wird dieser neue Zweig Ihrer Schule eingerichtet?


Studienrat Fischer: Wir hätten uns gefreut, wenn die Berufsaufbauschule schon in die­sem Jahre hätte anlaufen können. Das Kul­tusministerium steht dem Plan wohlwollend gegenüber. Es bedarf nur noch eines entspre­chenden Beschlusses des Fellbacher Ge­meinderats. Wir rechnen damit, daß die Volksschüler unter den kaufmännischen Lehrlingen, die im nächsten Frühjahr unsere Schule verlassen werden, die Fachschulreife an unserer Schule nachholen können. Ich weiß, daß auch unter den jungen Angestell­ten in Fellbacher Betrieben großes Interesse für eine derartige Einrichtung besteht. Es würden auch an unserer Schule alle sachli­chen und personellen Voraussetzungen gege­ben sein, um einen ordnungsgemäßen Un­terricht zu gewährleisten.


FZ: Die Kaufmännische Berufsschule, de­ren Besuch während drei Jahren für alle kaufmännischen Lehrlinge Pflicht ist, hat einen großen Einzugsbereich. Aus wievielen Orten kommen die Schüler?


Studienrat Fischer: Der Einzugsbereich richtet sich nach dem Arbeitsplatz der Lehr­linge. Unsere Schule wird von den kaufmän­nischen Lehrlingen und Jungangestellten be­sucht, die ihren Arbeitsplatz in Fellbach. Schmiden und Oeffingen haben. Es ist an­gestrebt, den Einzugsbereich auch auf Rommelshausen und Stetten auszudehnen.


Im Interesse der Fellbacher Wirtschaft

FZ: Die Kaufmännische Berufsfachschule in Fellbach, die künftig also Wirtschaftsschule heißen wird, zählt dagegen den gan­zen westlichen Teil des Kreises zu ihrem Einzugsgebiet?


Studienrat Fischer: Ja! Das bedeutet aber auch, daß Schülerinnen und Schüler, die ihren Wohnsitz zin Schwaikheim oder Beutelsbach haben, sich größtenteils später hier in Fellbach eine Lehrstelle oder einen Arbeits­platz suchen. Es würde von der einheimi­schen Wirtschaft sicherlich begrüßt werden, wenn dieses Reservoir an künftigen Fach­kräften bestehen bliebe.


FZ: Die Fellbacher Industrie, der Handel und das Gewerbe müssen also ein Interesse am Weiterbestehen der Schule haben?


Studienrat Fischer: Das Interesse ist ganz zweifellos da. Und über dieses Interesse wird auch eine möglicherweise andere Pla­nung im Landkreis Waiblingen im Rahmen des Schulentwicklungsplans für das berufs­bildende Schulwesen nicht hinweggehen kön­nen.


FZ: Sie haben bei anderer Gelegenheit ge­sagt, daß sich die Zahl der Wirtschaftsschü­ler in den nächsten Jahren nicht wesentlich erhöhen werde. Worauf gründet sich Ihre Annahme?


Studienrat Fischer: Ich habe gesagt, daß sie im kommenden Jahr nicht höher sein wird als bisher, weil diejenigen Hauptschü­ler, die bisher die Möglichkeit hatten, die Hauptschule nach der achten Klasse zu ver­lassen, diese genutzt haben. In der neunten Klasse der Hauptschule sitzen jetzt Mäd­chen und Jungen, deren Beruiswünsche vor einem halben Jahr noch nicht fest umrissen waren. In zwei Jahren aber, wenn der Aus­bau der Hauptschule in einen A-Kurs mit Fremdsprache und einen B-Kurs ohne Fremdsprache abgeschlossen ist, können wir damit rechnen, daß ein Jahrgang die Haupt­schule verläßt, dessen Interesse an der Wirt­schaftsschule Schlüsse darauf zuläßt, wie die künftige Entwicklung sein wird. Im Herbst dieses Jahres werden erstmals nur Absol­venten der neunten Klasse der Hauptschule oder vergleichbarer Jahrgänge der Real­schule und des Gymnasiums, in die Wirt­schaftsschule aufgenommen und zwar erst­mals ohne die bisher obligatorische Auf­nahmeprüfung.


FZ: Das kann bedeuten, daß künftig mehr Mädchen und Jungen die Handelsschule be­suchen werden?


Studienrat Fischer: In Zukunft wird das Interesse der Hauptschüler an der Wirt­schaftsschule zweifellos zunehmen. Einmal, weil die geburtenstärkeren Jahrgänge nach­rücken, zum anderen aber aufgrund der weit­gehenden Durchlässigkeit des modernen Schulwesens, das auch dem begabten Haupt­schüler alle Wege nach oben öffnet.


FZ: Eine Zunahme der Schülerzahlen würde allerdings auch einen Mehrbedarf an Schulräumen nach sich ziehen. Ihre Schule ist zwar nicht schlecht untergebracht, doch kann man die Raumverhältnisse auch kei­neswegs gut nennen.


Studienrat Fischer: Es geht nicht uns al­lein so, sondern anderen Schulen auch, daß die Lehrer in zwei Gebäuden Unterricht er­teilen müssen. Das hat Nachteile, die wir schon fünf Jahre in Kauf nehmen. Wir sind auch bereit, das weiterhin zu tun. Wir wis­sen, daß an den Bau eines Berufsschulzen­trums in Fellbach im Augenblick aus finan­ziellen Gründen nicht zu denken ist. Es ha­ben dafür Pläne bestanden, und ich bin ge­wiß, daß der Plan eines Neubaus bei zustän­diger Stelle noch nicht endgültig zu den Ak­ten gelegt worden ist. Es wird auf jeden Fall nötig sein, die künftigen Empfehlungen des Schulentwicklungsplans II für das berufsbil­dende Schulwesen genau auf mögliche Nach­teile für Fellbach zu prüfen. sr

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