Aus: Fellbacher Zeitung v. 16.03.1967

Abschied von der Schule — nicht vom Lernen

Schlußfeier der kaufmännischen Berufsschule / 58 von 65 bestanden Prüfung

In einer schlichten Feierstunde verabschie­dete gestern die Kaufmännische Berufsschule Fellbach 65 Schülerinnen und Schüler, deren dreijährige Berufsschulpflicht jetzt endet. 58 der jungen Kaufleute und Verkäuferinnen bestanden die Abschlußprüfung und haben damit den ersten Schritt zur Erlangung der Kaufmannsgehilfen-Briefe, die von der Indu­strie- und Handelskammer verliehen werden, getan. In seinen Abschiedsworten appellierte Studienrat Fischer, der Leiter der Kaufmän­nischen Berufs- und Handelsschule, an die Entlaßschüler, sich auch künftig mit Eifer und Interesse ihrer beruflichen Weiterbil­dung zu widmen.

In seiner Ansprache ging Schulleiter Fi­scher auf die wachsende Bedeutung der Kauf­männischen Berufs- und Handelsschule Fell­bach ein, die am 2. Mai dieses Jahres fünf Jahre besteht. Im Jahr 1962 unterrichteten zwei Lehrkräfte die 175 Berufsschüler aus unserer Umgebung; heute wird die Anstalt von 231 Lehrlingen und 132 Handelsschülern besucht, die von sechs hauptamtlichen und vier nebenamtlichen Lehrern unterrichtet werden. Nach Auffassung Fischers ist in den kommenden Jahren mit wachsenden Schüler­zahlen an der Kaufmännischen Berufsschule zu rechnen. Er verwies in diesem Zusammen­hang auf die Neufassung der Berufsschul­pflicht, die künftig erst mit dem 20. Lebens­jahr endet (bisher 18. Lebensjahr). Kritisch äußerte sich Studienrat Fischer über das Bil­dungsziel der Hauptschulen. Wenn den Ab­solventen der Hauptschule der Weg zu wei­terführenden Schulen offen gehalten werden soll, wie es der Schulentwicklungsplan des Landes vorsieht, dann müsse das Leistungs­niveau der Hauptschulen erheblich angeho­ben werden. Vor allem die Leistungen im Rechnen und allgemeinbildenden Fächern ge­ben nach Meinung Fischers zu Beanstandun­gen Anlaß.

Im Hinblick auf die derzeit diskutierte Mög­lichkeit, das gesamte Berufsschulwesen im Zusammenhang mit der geplanten Einrich­tung einer Wirtschaftsoberschule in Waiblingen zu konzentrieren, sprach sich der Schul­leiter entschieden dafür aus, die Kaufmän­nische Berufsschule in Fellbach beizubehal­ten. Er hoffe auch, daß der Fellbacher Ge­meinderat seine Zustimmung zu der Errich­tung einer sogenannten Berufsaufbauschule gebe, die begabten Hauptschülern den Weg zu Fachschulreife eröffne. Dieser Zug soll ab Herbst 1968 an der Kaufmännischen Berufs­schule Fellbach eingerichtet werden. Er wird in einem einjährigen Kurs junge Kaufleute an die Fachschulreife heranführen, die ja den Besuch etwa einer Wirtschaftsoberschule er­möglicht. *)

In seinem Tätigkeitsbericht er­wähnte der Schulleiter ferner die gute Zu­sammenarbeit mit dem Elternbeirat und die Gründung einer Schulzeitung. Dank sagte er dem Lehrerkollegium und der Stadtverwal­tung Fellbach, die für die Probleme der Schule immer ein offenes Ohr gehabt habe.

Mit den Ergebnissen der Abschlußprüfung für die angehenden Kaufleute und Verkäufe­rinnen zeigte sich der Studienrat nicht ganz zufrieden; die Leistungen können aber einem Vergleich mit anderen Schulen durchaus standhalten. Schwächen zeigten sich vor allem in den Fächern Buchführung und kauf­männisches Rechnen. Für sehr gute Leistun­gen übergab Schulleiter Fischer den Absol­venten Michael Schwägle (Wega Radio - Durchschnittsnote 1,1) und Hans Kessler (Fehrmann-Industriemaschinen) einen Buch­preis. Belobungen für “gute" Leistungen er­hielten: Inge Stolle (Stolle-Lebensmittel). Gerhard Bürkle (Heine & Beisswenger), Wolfgang Grimm (Hahn-Fahrzeugbau), Man­fred Müller (Herion-Werke), Wilhelm Kast­ner (Radio Bauer).

Zum Abschluß der Feierstunde, die von einem Mädchenchor der Handelsschule unter Leitung von Frau Nothdurft und einem Ge­dichtvortrag umrahmt wurde, sagten die Ent­laßschüler ihren Lehrern Dank und überreichten Blumen und Geschenke. sr


*) Dieser Schulzweig wurde wie geplant an der Kaufm. Schule Fellbach eingerichtet. Anmerkung von R. Fischer, 2007

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