Aus: Fellbacher Zeitung v. 27.09.1966

Georg Renz zum Oberstudiendirektor ernannt

Der Leiter der Berufs- und Handelsschule wurde nach Stuttgart berufen

Am Freitag vergangener Woche ist Di­plom-Handelslehrer Georg Renz, der als Oberstudienrat viereinhalb Jahre die Ge­schicke der unter seiner Leitung gegründe­ten Kaufmännischen Berufsschule und Han­delsschule Fellbach gelenkt hat, zum Ober­studiendirektor ernannt und mit der Leitung der Kaufmännischen Berufsschule, Höheren Handelsschule und Handelsschule Stuttgart-Feuerbach beauftragt worden.

Der Schreibtisch von Oberstudiendirektor Renz im Schulgebäude Theodor-Heuss-Straße prangte im Blumenschmuck, als sich die engsten Mitarbeiter des scheidenden Schul­leiters - Frau Nothdurft als Sekretärin, das Lehrerkollegium, die Hausmeisterehe­paare Gutmann und Packmohr und nicht zu­letzt seine Schüler - verabschiedeten.

Oberstudiendirektor Renz verabschiedete sich von einer Schule, deren Leben von sei­ner Persönlichkeit grundlegend geprägt war. Von den Anfängen der Kaufmännischen Be­rufsschule im Mai 1962 bis heute hat es wohl kaum einen Schüler gegeben, an dessen Lei­stungen und Werdegang der Scheidende nicht persönlich Anteil genommen, kein An­liegen eines Lehrers, um das er sich nicht aufopfernd gekümmert hätte. Unvergessen bleiben die “dienstfreien" Abende, die Leh­rer und manchmal auch Entlaßschüler mit ihm zusammen verbringen durften. Hun­derte von jungen Kaufmannsgehilfen haben aus seiner Hand in den letzten Jahren in Fellbach ihr Abschlußzeugnis erhalten und dann den Weg zur mündlichen Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer in dem Bewußtsein angetreten, gut vorbereitet wor­den zu sein.

Der persönliche Kontakt zum Schulleiter ließ oft Einschränkungen im Unterricht we­gen Lehrermangel oder Raumnot vergessen. Selbst in seiner Cannstatter Wohnung stand er am Telefon oft ratsuchenden Schülern in den Tagen vor der Prüfung zur Verfügung. Gleichermaßen aufgeschlossen hat er sich aber auch allen kommunalen Problemen in Fellbach gegenüber gezeigt.

Höhepunkt in der Geschichte des kauf­männischen Schulwesens in unserer Stadt während seiner Tätigkeit als Schulleiter war zweifellos die Gründung der zweijährigen Berufsfachschule (Handelsschule) im Früh­jahr 1964. Diese Schule, deren Abschluß das Zeugnis der Fachschulreife bildet, genießt inzwischen Ansehen weit über Fellbach hin­aus, wie die Zahl der Anmeldungen und das Interesse der Wirtschaft an den Entlaßschü­lern zeigen.

Trotz mancher organisatorischer Schwie­rigkeiten - zwei auseinanderliegende Schul­gebäude, in der Handelsschule Fachlehrer­system und Kurzschuljahr, in der Berufs­schule beides nicht - sind beide Schulteile unter der Führung des jetzigen Oberstudien­direktors Renz zu einem Schulganzen zuammengewachsen. Viel Mühe widmete er stets der Gestaltung der Schlußfeiern, nie­mals fehlte er an den Elternabenden, und die Schülermitverantwortung mitsamt der jungen Schülerzeitung konnte jederzeit mit seinem Verständnis für ihre Fragen rech­nen.

In einzigartiger Weise verband er im Un­terricht hohe Anforderungen und Strenge mit menschlicher Wärme. Jeder, der ihn kannte, merkte sofort, daß es ihm ernst war mit seiner Forderung nach mehr Anerken­nung des Werts der wirtschaftskundlichen Bildungsgüter. Sicherlich entspräche es seinem Wunsche, wenn in Fellbach auch in Zu­kunft der 1962 und 1964 gemeinsam mit der Stadtverwaltung beschrittene Weg im be­rufsbildenden Schulwesen nicht verlassen wird. (rf)

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