Aus: Fellbacher Zeitung vom 07.04.1966, S. 14

Der Aufschwung ist jetzt ganz offenbar

Abschlußfeier der Kaufmännischen Berufsschule und der Handelsschule Fellbach

Vier Jahre sind erst vergangen seit der Gründung einer kaufmännischen Berufs­schule in Fellbach, gar zwei Jahre nur, seit die staatliche zweijährige Handelsschule (Be­rufsfachschule) ins Leben gerufen wurde. Hielt man sich als Besucher der gemeinsa­men Abschlußfeier beider Schulen im neuen Gemeindehaus am Rembrandtweg diese Tat­sache vor Augen, so wurde der Aufschwung offenbar, den das kaufmännische berufsbil­dende Schulwesen in unserer Stadt in den letzten Jahren genommen hat.

Dieser Eindruck klang nicht nur an in den Worten von Stadtrat Barth, der die Grüße des Oberbürgermeisters überbrachte, er wur­de vor allem bekräftigt durch die Anwesen­heit zahlreicher Vertreter der Fellbacher Wirtschaft sowie von Gästen aus dem poli­tischen und religiösen Leben unserer Stadt.

Nicht zuletzt aber zeugt die Entwicklung der Schülerzahlen, wie sie Oberstudienrat Renz als Schulleiter mitteilte, von der Be­deutung, die die Bildungsarbeit der beiden Schulen für den - heute heiß umworbe­nen - kaufmännischen Nachwuchs der Be­triebe in und um Fellbach hat.

Im vergangenen Schuljahr besuchten 230 Schüler die Kaufmännische Berufsschule, 90 Schüler die Handelsschule in insgesamt zwölf Klassen. In diesem Frühjahr bestanden 59 Kontoristinnen und 9 Einzelhandelslehr­linge die Abschlußprüfung der Berufsschule und damit zumeist auch den schriftlichen Teil der Kaufmannsgehilfenprüfung der In­dustrie- und Handelskammer.

Erstmals durchgeführt wurde unter dem Vorsitz eines Vertreters des Oberschulamts die Abschlußprüfung der zweijährigen Han­delsschule. Dieser Abschluß befreit von der Pflicht zum weiteren Besuch einer Berufs­schule und ist nach einem neueren Erlaß des Kultusministeriums dem Mittelschulabschluß völlig gleichgestellt. Zur Freude des Schul­leiters und der beteiligten Lehrer, vor allem aber natürlich zu der der Eltern und Schüler selbst, haben - trotz mancher schwachen Leistung in Englisch und Kurzschrift - alle 27 Teilnehmer die Abschlußprüfung bestan­den.

Zugleich mit der Bekanntgabe der Prü­fungsergebnisse legte OStR Renz Rechen­schaft über den Ablauf der schulischen Ar­beit im vergangenen Schuljahr. Dank der Zu­weisung zweier neuer Lehrkräfte durch das Oberschulamt konnte der Unterricht fast ohne größere Einschränkungen erteilt wer­den. Im Mai 1965 war das, umgestaltete Ge­bäude der alten Maicklerschule in der Theodor-Heuss-Straße bezogen worden. Dort be­findet sich seitdem auch das Sekretariat; der Sekretärin, Fraut Nothdurft, sowie den Haus­meisterehepaaren Packmohr (Schulgebäude Wiesenstraße) und Gutmann (Schulgebäude Theodor-Heuss-Straße) sprach der Schullei­ter im Namen der ganzen Schulgemeinde den Dank aus für die ordnende Hand, die sie besonders in dieser schwierigen Zeit des Aufbaus bewiesen hatten.

Besonders erfreut zeigte sich der Schul­leiter über das gute Abschneiden einiger Schüler im Aufsatzwettbewerb des Landtags von Baden-Württemberg. Neben einem I a-und einem I b-Preis fielen noch zwei zweite Preise an Teilnehmer der Berufsschule und der Handelsschule. Die weitere schulische Entwicklung ist natürlich auch von der Ein­führung der zwei Kurzschuljahre und des 9. Pflichtschuljahres beeinflußt. So wird die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr in diesem Jahr zurückgehen. Über Erwarten groß war die Zahl der Anmeldungen für die zweijährige Handelsschule, die ja die ein­zige im Kreis Waiblingen ist. Von 80 Bewer­bern bei der Aufnahmeprüfung mußten 10 wegen unzureichender Leistungen zurückge­wiesen werden.

Der Schulleiter machte darauf aufmerk­sam, daß es im gesamten Kreis Waiblingen leider noch keine Wirtschaftsoberschule gibt, was im Interesse vor allem der Handels­schüler, die das Wirtschaftsabitur erreichen wollen, zu bedauern sei. Die bereits erfolgte Bewerbung der Stadt Fellbach um eine sol­che Schule sei zu begrüßen.

Nach der mit großem Beifall aufgenom­menen Rede sprach die Entlaßschülerin der Berufsschule Ursula Schlecht von der Firma Otto Egelhof über die Stellung der Frau in der Welt von gestern und heute. Eine Spiel­gemeinschaft aus Schülern beider Schulen zeigte lustige Szenen aus Elternhaus, Büro und Schule; die Schülerin Eva-Maria Köhler von der Handelsschule sprach ein Gedicht von Friedrich Hebbel. Unter der Leitung von Herrn Neumann sangen die ehemaligen Handelsschülerinnen Irene Kadlez, Marg. Schiele und Doris Staiber eine musikalische Glosse über die Bildungsmöglichkeiten und Erika Knapp und Wolfgang Stark von der Handelsschule musizierten auf der Violine. Ein Chor aus Schülerinnen der beiden ersten Handelsschulklassen umrahmte die gut ge­lungene Feier.

In der Schlußansprache dankte der Schul­leiter allen Mitwirkenden, insbesondere dem Dirigenten des Chors, Herrn Neumann, Frau Studienassessorin Strohm, Herrn Studien­assessor Fischer für die Gestaltung und Ein­studierung der Szenen und den Schülern für Vorträge und Darbietungen.

Preise und Belobungen

Kaufmännische Berufsschule

Preise: Rolf-Dieter Ernst (Herion-Werke), Irmgard Lindemann (GEA-Freileitungsbau), Horst Mayer-Wrangowski (Kellers Tuchhandlung).

Belobungen: Anna Kern (thermopack-Fischer KG), Johannes Lackinger (Kel­lerei Moser), Ursula Schlecht (Otto Egel­hof), Roland Spindler (Gottl. Wiedmann KG), Monika Lindemann (Albrecht Sei­bold, Textilwaren).

Handelsschule

Klasse H II: Einen Preis erhielt Mar­garete Schiele, eine Belobung Doris Staiber.

Klasse H I a; Doris Kurrle (Preis).

Klasse H I b: Gisela Hahn, Birgit Heg­ner (Belobungen).

Aufsatzwettbewerb des Landtages

I-a-Preis: Sabine Berger (Handelsschu­le, Klasse H II).

I-b-Preis: Michael Schwägle (WEGA-Radio, Fellbach).

II. Preise: Rolf-Dieter Ernst (Herion-Werke KG, Fellbach), Doris Staiber (Handelsschule, Klasse H II).



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