CZ 51+52/1995, S. 13

Suns beliebte Programmiersprache berücksichtigt die Anforderungen im Internet

Einfach, schlank, sicher - warum Java erfolgreich ist

Im Rennen um die Marktführerschaft im Internet haben die großen Softwareanbieter der Programmiersprache Java eine Schlüsselrolle zuerkannt. Netscape, IBM, Microsoft - keiner will auf die Sun-Entwicklung verzichten. Java ist ein halbes Jahr alt, auf dem Weg in die Betatestphase und in aller Munde - ohne größere Marketing-Aktivitäten des Entwicklers Sun. Mittlerweile lizenzierten IBM, Microsoft, Adobe, Netscape und Silicon Graphics das Produkt. Der Grund für den Erfolg: Die objektorientierte Programmiersprache für Internet-Anwendungen füllt eine Lücke in der Netzinfrastruktur. Sie erlaubt die einfache und schnelle Erstellung von Programmen, die sich über das Netz laden und ausführen lassen. Dabei erfüllt Java viele Anforderungen an eine Universalsprache für das heterogene und unsichere Internet.

So sind Java-Programme betriebssystemunabhängig. Auf dem Zielrechner muß nur ein Interpreter vorhanden sein, der die geladenen Anwendungen, sogenannte Applets, ausführt. Hierzu hat Sun mit Hotjava einen eigenen Browser für das World Wide Web (WWW), der unter Windows 95, Windows NT und Sparc Solaris läuft. Anfang 1996 soll er für Apple Macintosh kommen. IBM will darüber hinaus im ersten Quartal 1996 Portierungen für OS/2, AIX und Microsofts Windows 3.1 anbieten. Auch der Browser Netscape 2.0 kann Java-Code ausführen.

Da sich Java an der vielgenutzten Programmiersprache C++ orientiert, läßt sich die neue Sprache leicht lernen. Typische Probleme der C++-Programmierung, wie Speicherverwaltung und maschinenabhängige Festlegungen, treten in Java jedoch nicht mehr auf. Zudem ist die Sprache extrem schlank. Das Basismodul des Interpreters hat einen Umfang von etwa 40 Kilobyte (KB); die Erweiterung um eine Standardbibliothek und Thread-Unterstützung verbraucht weitere 175 KB. Auch die Applets haben nur geringen Umfang und kommen häufig mit etwa 100 KB aus. Damit lassen sie sich schnell über das Netz laden, was für den Masseneinsatz wichtig ist.

Die Akzeptanz von Java in der Internet-Gemeinde demonstrieren etwa 450 existierende Beispiel-Applets, wie ein Währungsumrechner, der auf die aktuellen Kursnotierungen über das Internet zugreift, und eine regelmäßig aktualisierte Wetterkarte. Daß die Lizenzpolitik Suns die kostenlose Nutzung der Java-Binaries, gestattet, fördert den Boom an Anwendungen. Als echte objektorientierte Programmiersprache ist Java so gestaltet, das die einzelnen Applets problemlos zusammenpassen und sich zu komplexen Anwendungen verbinden lassen. Versionsverwaltung ist kein Problem. Das ist wichtig, weil die Java-lizenzierenden Unternehmen eigene Klassenbibliotheken mit speziellen Routinen entwickeln wollen. Deren Schnittstellen müssen sie offenlegen - dazu verpflichtet sie das Lizenzabkommen mit Sun. Anwender können also auf ihrem System eine Reihe von Bibliotheken verschiedener Hersteller nebeneinander installieren, ohne Kompatibilitätsprobleme befürchten zu müssen.

Ein weiteres Problemfeld im Internet ist die Sicherheit. Da die Verbindung zwischen einem Client und einem Server immer über mehrere Computer läuft, kann jeder beteiligte Rechner die Daten abfangen, auswerten und manipulieren. Das ist vor allem bei sicherheitsrelevanten Daten problematisch und ermöglicht es einem potentiellen Übeltäter, Viren in ein Programm einzubauen. Um das zu verhindern, enthält Java einen Verschlüsselungsmechanismus nach einem Public-key-Verfahren, bei dem der Sender seine Nachricht mit einem öffentlich bekannten Schlüssel des Empfängers kodiert. Das garantiert eine sichere Kommunikation, auch wenn sich Sender und Empfänger nicht kennen. Mit diesen Funktionen ermöglicht Java einfach zu erstellende, sichere und leicht zu verteilende Client-Server-Anwendungen im Internet. mo

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